Freiberufler oder Angestellter – Betrachtung der Kosten
Hallo,
in diesem posting möchte ich gerne eine Gegenüberstellung der Kosten eines angestellten und eines freiberuflichen Softwareentwicklers machen.
Machen wir folgende Annahmen:
- Arbeitsstunden pro Jahr bei 40-Stunden-Woche und 6 Wochen Urlaub: 1638
- Honorar der Freiberuflers: 80 EUR/Stunde von denen der Vermittler 15 EUR behält.
- Jährliches Bruttogehalt des Angestellten: 80.000 EUR
Damit kostet der Freiberufler den Auftraggeber 131.040 EUR.
Beim Angestellten ist die Rechnung komplizierter. Rechnen wir die Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil zu Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung, ggf. betriebliche Altersversorgung) der Einfachheit halber mit 20%. Dann liegen die Kosten des Angestellten bei 96.000 EUR.
Rechnen wir weiter mit einer vergleichsweise bescheidenen Fortbildung von 5 Tagen in denen der Angestellte einen Kurs besucht. Es entstehen Gebühren in Höhe von 2000 EUR , der Angestellte kostet jetzt also 98,000 EUR.
Für die Fortbildung ziehen wir 40 Stunden ab ebenso nehmen wir (konservativ) an dass der Angestellte im Jahr eine Woche krank ist. D.h. wir ziehen die 80 Stunden von den Kosten des Freiberuflers ab der damit nur noch 1558 Stunden arbeitet und daher “nur noch” 124.640 EUR kostet.
Die Rechnung sieht also so aus:
Kosten Freiberufler: 101.270 EUR
Kosten Vermittler: 23.370 EUR
Kosten Angesteller: 96.000 EUR
Und wir kommen zu dem auf den ersten Blick verblüffenden Schluss, dass der Freiberufler in etwa das Gleiche erhält wie der Auftraggeber für einen angestellten Mitarbeiter mit vergleichbarer Qualifikation zahlen müsste. Dafür kann der Freiberufler völlig flexibel eingesetzt werden, d.h. insbesondere ohne Abfindungen oder das Risiko einen Prozesses beim Arbeitsgericht wieder “abgestoßen” werden. Außerdem goutiert die Börse eine solche Verlagerung von Lohnkosten und Arbeitsstellen hin zu Projektkosten in der Regel mit steigenden Kursen.
Ich würde mir auch wünschen, dass die Auftraggeber etwas mehr hinterfragen ob die erheblichen Zahlungen an die Vermittler für die gesamte Dauer des Einsatzes wirklich gerechtfertigt sind. Es wird zwar wenn immer möglich versucht die Honorare zu reduzieren, aber ich habe noch von keinem Auftraggeber mitbekommen, dass er versucht auf die Marge Einfluss zu nehmen – obwohl dies durchaus in seinem Interesse wäre.
Nicht betrachtet in diesem posting sind Gesichtspunkte wie z.B:
- Das Know How des Freiberuflers passt sehr genau, er erledigt die gleiche Arbeit schneller als ein Angestellter der sich erst einarbeiten muss
- Überstunden des Angestellten sind mit dem Gehalt abgegolten und fallen regelmäßig an (der Abgestellte wird nominell billiger)
- Viele Freiberufler fakturieren so viel wie möglich, d.h. Fortbildung, Krankheit und Verwaltungsarbeit wird in die “Freizeit verlagert” (der Freiberufler wird teurer)
usw.
Viele Grüsse,
Andreas
Technorati Tags: Freiberufler, Honorar